Die Anfänge

Nach dem Brand des ersten Goetheanumbaus wird Edmund Pracht (1898-1974) im Frühjahr 1923 in die so genannte Wächtergruppe nach Dornach/Schweiz gerufen. Er bricht dafür sein Studium ab, lebt nun im Umkreis Rudolf Steiners und betätigt sich u.a. als Klavierbegleiter zur Eurythmie. Steiners vielfältige Anregungen, vor allem das im Ton-Eurythmiekurs (1924, GA 278) angeregte qualitative Erüben der musikalischen Elemente, werden ihm für das eigene Suchen in der Musik wegweisend. Auf diesem Hintergrund wird Prachts Wunsch verständlich, ein „Übgerät“ – wie er die Leier manchmal genannt haben soll – zu kreieren, eine Art Urinstrument ohne den mechanischen „Ballast“ des Klaviers, „das schon durch die Beschaffenheit des Tones für die andächtige Vertiefung in die Elemente der Musik [...] eine gute Hilfe bietet.“ (Gärtner/Pracht 1927).

Entsprechende Ideen und Pläne verdichten sich nach Steiners Tod, wobei auch Arbeitsbegegnungen mit der englischen Musikwissenschaftlerin Kathleen Schlesinger eine Rolle gespielt haben dürften. 1926 kommt dann die entscheidende Geburtshilfe, als Pracht gebeten wird, für den Eurythmieunterricht der Kinder am „Sonnenhof“ (der heilpädagogischen Dépendance der von der Ärztin Ita Wegman in Arlesheim gegründeten Klinik) zu spielen. Von der klanglichen Wirkung des Klaviers im Hinblick auf die Kinder völlig unbefriedigt, steht ihm nun mit einem Mal das angestrebte Instrument klar vor Augen. Er gibt den Bau einer Leier nach seinen Vorstellungen bei dem Basler Geigenbauer Fritz Baumgartner in Auftrag. Gleichzeitig greift Lothar Gärtner (1902-1979), ebenfalls Mitglied der Wächtergruppe, Prachts Idee auf, verändert dessen ursprünglich skizzierte eckig-asymetrische Form und schafft eine mehr atmende, runde Form.

Prachts Entwurf                                                                      Skizze von Gärtner

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leier von Baumgartner

So stehen am Anfang des neuen Leierbaus gleich zwei Instrumente. Weiter verfolgt wird jedoch der von Gärtner eingeschlagene Weg. Ita Wegman sorgt für die Einführung der neuen, bald in verschiedenen Stimmlagen gebauten Instrumente in die heilpädagogische Arbeit. Pracht und Gärtner gründen eine Arbeitsgemeinschaft, Gärtner macht den Leierbau zu seiner Lebensaufgabe.